Fürstensaal Serenade

Foto: Edith Bielenberg, mit freundlicher Genehmigung

Colloquium Chor überzeugt bei seiner Serenade
Beifall für den Komponisten Bernhard Zink
Von Klaus Bielenberg, Füssen, Mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung

Romantik, Operette, Musical und eine „Welturaufführung“ waren beim Programm der Serenade des Colloquium Chors im Fürstensaal in Füssen angesagt. Der ausverkaufte Saal bewies, dass die Veranstalter damit ins Volle getroffen hatten. Dazu kam, dass sich die Chorgemeinschaft und die Solistin Barbara Camenzind bei ihren Vorträgen in blendender Verfassung zeigten.

Romantische Naturschwärmerei mit einem Hang zur Flucht von der Wirklichkeit offenbart sich in dem bekannten Chorlied „O Täler weit“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Es war das Verdienst der Chorleiterin Ingrid Czaika, dass die Darbietung nicht ins allzu Sentimentale abglitt. Die Lebendigkeit und Bestimmtheit ihres Dirigierens, die sich auch in den nachfolgenden Werken zeigte, wurde vom Chor willig aufgenommen. Auf diese Weise wurde die kompositorische Meisterschaft des Chorwerkes ersichtlich, die sich zum Beispiel in der rhythmisch pointierten „g’schäft’gen Welt“ und dem idyllischen „grünen Zelt“ zeigt. Die dynamischen Schattierungen waren gut angesetzt,
wenngleich ein differenzierteres Piano durchaus möglich gewesen wäre.

Von der Schwester Mendelssohns, Fanny Hensel, erklang eine kongeniale
Vertonung des Gedichtes „Lockung“ von Josef von Eichendorff in überzeugender Interpretation.
Bei der Komposition „Im Walde“ von Robert Schumann wurde die subtile Musik, die sich in geschärfter
Harmonik und avancierter Modulation ausdrückt, klanglich ansprechend umgesetzt.

Barbara Camenzind, die schon wiederholt mit dem Colloquium Chor auftrat,
bewies bei ihren Liedbeiträgen von Franz Schubert und Robert Schumann nach Gedichten von Goethe
mit ihrer klaren, sicher geführten Sopranstimme ausgeprägtes Stimmvolumen auch bei hochlagigen Passagen. Agogik, austarierte Atemtechnik und nicht zuletzt die nuancenreiche Ausdruckspalette der Mimik und Gestik garantierten zum Beispiel beim “ Fischerlied“ oder beim „Lied der Suleika“ Lebendigkeit. Die einfühlsame, stets an der gesanglichen Interpretation orientierte Begleitung am Klavier durch Ingrid Czaika verdient besondere Erwähnung.

Äußerst positive Überraschung

Für eine äußerst positive Überraschung sorgte Bernhard Zink, der als Studienreferendar am Gymnasium Füssen eingesetzt ist, mit seinen Liedern „In meiner Erinnerung“ und „Durch den Wald“ nach Gedichten von Heinrich Heine. Die Kompositionen erfreuten durch ihre Klangmalerei, in der die verschiedenen Chorstimmen sehr gelungen miteinander verwebt waren. Gemäßigte Moderne zeigte sich bei den schrägen tonalen Akzenten und vor allem in der kleinen Aleatorik (Einbau von Zufallselementen), die der Chor gut bei seinen Flüster- und Summpassagen zu nutzen wusste.

Bernhard Zink

Foto: Edith Bielenberg, mit freundlicher Genehmigung

Der Komponist lobte bei der Welturaufführung neben der geradlinigen Führung die tolle Leistung des Laienchores, der doch schwierige Klippen zu überwinden hatte. Da fielen einige nicht ganz perfekte Einsätze kaum ins Gewicht.

Bei den Operettenliedern „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ und dem „Vilja- Lied“ zeigte Barbara Camenzind wiederum ihre Stimmkunst, wobei sich der Chor locker einfügte. „Broadway-Luft“ verrieten die weiteren Beiträge. Mit den Liedern aus „The Touch of Venus“ von Kurt Weill war die Künstlerin voll in ihrem Element. Man spürte förmlich die spaßige Lüsternheit in „I’m a stranger here myself“. Der Chor, dezent begleitet vom Schlagzeug und Klavier, überzeugte auch rhythmisch bei den Gesängen von „My fair Lady“ und „Brigadoon“ sowie von Richard Rogers „Blue moon“ und „Oklahoma-Medley“, wobei textliche Sicherheit angesagt war. Die jeweils wechselnden Melodie führenden Register kamen gut zur Geltung.

Die Zuhörer erklatschten sich einige Zugaben, wobei das „Péricholes Schwipslied“ von Jaques Offenbach von Barbara Camenzind als besonderes Schmankerl zum Abschluss geboten wurde.