Foto: Edith Bielenberg, mit freundlicher Genehmigung

Colloquium Chor, Ensemble Vocale und Orchester begeistert
Von Klaus Bielenberg, Füssen/Nesselwang, mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung

Einen wahren Besucheransturm erlebte die Christuskirche in Füssen zur Aufführung des populären Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Wie schon am Tag zuvor in der Wallfahrtskirche Maria Rain führten der Colloqium Chor aus Füssen, das Ensemble Vocale Nesselwang, das Colloquium Orchester 2005 und die Solisten Barbara Camenzind (Sopran), Elisabeth Müller (Alt), Sebastian Hübner (Tenor) und Thomas Lackinger (Bass) unter der Leitung von Ingrid Czaika die Kantaten I, II und VI auf. Für die Zuhörer war die Aufführung wie ein vorweihnachtliches Geschenk, das sie begeistert aufnahmen.

Vom Pauken- und Trompetenklang überstrahlt ertönte zunächst der mächtige Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“. Die Ausgewogenheit der Stimmen überzeugte.

Die Choräle wirkten geschlossen, in sich abgerundet, wohl abgestimmt und bewirkten die Kontemplation, in der sich sozusagen die Gemeinde symbolisierte. Innige Andacht wurde bei dem bekannten Satz „Ich steh an deiner Krippen hier“ spürbar.

Sebastian Hübner, der als Evangelist die Rezitative mit lebendiger Textausdeutung sang, überzeugte mit seiner klaren, geradlinigen, konturierten Stimme. Seine Arie „Frohe Hirten eilt, ach eilet“ gestaltete er mit herrlichen, lockeren Koloraturen.
Ein Sonderlob verdiente sich an dieser Stelle die einfühlsame Flötenbegleitung.

Elisabeth Müller sang vor allem in den mittleren und höheren Lagen mit samtener, nuancierter Stimme und einem angenehmen Timbre die sehr populäre Arie „Bereite dich, Zion.“ Anmutig zart, mit teilweise langem Atem und gekonnter Stimmstütze erklang das Lied „Schlafe, mein Liebster“. Beim Rezitativ des Soprans „Er ist auf Erden kommen arm“ fügten sich die Oboen sehr schön ein.

Barbara Camenzind sang ihre Passagen sicher, aber ihre Stimmgebung ließ wie auch in der Arie „Nur ein Wink von seinen Händen“ den notwendigen Glanz und die abgerundete Fülle vermissen.

Thomas Lackinger gestaltete seine Rezitative deklamatorisch. Schade, dass er bei der pompösen Arie „Großer Herr, o starker König“
zu wenig Intensität und Volumen aufbrachte.

Die Sinfonia, die die zweite Kantate einleitet, konnte wie es Albert Schweitzer einmal ausdrückte als ein Wechselspiel zwischen den verkündenden Engeln und den Schalmeien blasenden Hirten angesehen werden. Hier wie auch in der Begleitung und in den Zwischenspielen zeigte sich die erstaunliche Güte des Orchesters, das unter der sehr engagierten und sicheren Leitung von Ingrid Czaika einen wesentlichen Grundstock für den Erfolg der Aufführung legte.

Gespannt wartete man auf den Höhepunkt der Kantate mit dem groß angelegten „Ehre sei Gott in der Höhe“. Die Melismen (Verzierungen der Melodie), die vielen Engführungen sowie die Modulationen in der Fuge wurden sicher und weitgehend ohne Verwischungen dargeboten. Gut gelangen die Kontrapunkte „… und Friede auf Erden“.

In der sechsten Kantate zeigten die hervorragend aufgelegten Trompeten ihr großes Können und verbanden sich mit den Sängern in dem Chorsatz „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“ zu einem eindrucksvollen, mächtigen Klanggebilde.

Der große Beifall nach dem Schlusschor war der verdiente Lohn für eine herausragende Aufführung eines imposanten Werkes.

[Allgäuer Zeitung vom 13.12.2005]